Corona-Perspektiven: Meine Rolle als Geschäftsführung eines Unternehmens

„Wie kann ich mein Unternehmen und auch mich schützen? Welche Auswirkungen wird durch dieses Virus unsere Arbeit und unsere Teamarbeit haben?  Wie so vieles, werden wir auch das wieder schaffen und überstehen.“

 

Beschreiben Sie Ihre aktuelle Situation. 

Als Geschäftsführung habe ich aktuell die Verantwortung für die Gesundheit meiner Mitarbeiterinnen und auch für meine Gesundheit und die meiner Familie und Freunde. Die stetigen Neuerungen im Umgang mit den Verordnungen des Landes Baden-Württemberg schaffen eine sehr hohe Flexibilitätserfordernis für uns als Firma. Zusammen mit der Geschäftsführung gilt es den laufenden Betrieb zu sichern und auch die sehr unterschiedlichen „Ängste“ bei Mitarbeitern und Kunden auf ein „gesundes Maß“ zu bringen. Nach 7 Monaten Kurzarbeit kehren wir zurück in den normalen Betrieb. Ich hoffe sehr, dass unsere bisherigen Maßnahmen in Hygiene und gleichzeitigem Erhalt der Qualität – live und auch in den vielen Videocoachings auch die weitere Nichtansteckung sichern und wir glimpflich durch diese Zeit kommen. Ich sehe meine Rolle als Geschäftsführung in der Überwachung der weiteren maßvollen aber diszipliniert durchgeführten Stetigkeit der Hygieneabläufe.

 

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation bzw. wie erleben Sie diese Situation in ihrer „ Rolle als(…)“?

Ich lerne jeden Tag aufs Neue, dass die Aussage: „Eins ist sicher, nichts ist sicher!“ zutrifft. Geschäftsführung in Coronazeiten sehe ich mit einem Schmunzeln im Gesicht immer mehr wie ein geschmeidiges Bewegen des vollbesetzten Kanus in stetig unberechenbarem Gewässer. Bisher ist uns dieses ganz gut gelungen. Ich habe fest vor, mich von diesem Kurs nicht abbringen zu lassen. Tagesaktuell gilt es mit interessanten Stromschnellen zu rechnen und Phasen des schönen Dahinfloatens bei aller Freude, nicht als gegeben anzusehen. Was ich mir immer wieder vor Augen halte, ist die Wahrnehmung meiner „Entscheidungen“. Wähle ich Angst, dann wähle ich Hirnblockade und die Sehnsucht, dass ein starkes Etwas diese Zeiten „durchlenkt“. Wissend ob der Gefahr der Nichterfüllung dieser Sehnsucht, entscheide ich mich täglich lieber dafür, in meinem Terrain die Kapitänin für die Spielräume und Verantwortungen zu sein. Mit Freude darf ich sagen, dass die „Wirkungen“ meine Haltung bestätigen.

 

Welche Probleme gibt es? Was ist die größte Herausforderung? Was kränkt sie am meisten zurzeit?

Die größte Herausforderung sehe ich im Aushalten der Unsicherheit, was die nächsten Monate noch auf uns zukommt. Wir versuchen mit allen Mitteln das Team zu halten und die Umsatzzahlen vom Vorjahr nicht wesentlich zu unterschreiten. Ich fühle mich von nichts gekränkt. Irgendwie hat das Leben mich gelehrt, das alles einen Sinn haben kann. Ob das stimmt, ist mir im Grunde gleichgültig.  Dieses Denken und Fühlen befreit. Ich habe eine innere Sicherheit, dass wir mit allen Schwierigkeiten immer wieder einen guten und erfolgreichen Umgang aufbauen können. Das fühlt sich stark und sehr gut an – ohne abzuheben.

 

Gibt es Lösungen für diese Probleme? Von extern oder eher aus eigener Kraft? Was sind Lösungen? Haben Sie Tipps?

Von extern sehe ich keine Lösungen – außer dass sich Kunden, Mitarbeiter und zugehörige Menschen um uns herum – achtsam, ehrlich und verantwortungsbewusst verhalten und bei einer möglichen Ansteckung offen kommunizieren und sich selbst in Quarantäne begeben.

 

Was läuft aus Ihrer Sicht gut?

Die Panik im Frühjahr 2020 kann ich verstehen. Ich wollte die Verantwortung als „Regierung“ einen nationalen Umgang mit dieser neuen Situation finden zu müssen, nicht tragen wollen. Bin ich ehrlich mit mir, dann hat die Corona-Krise durchaus auch Vorteile. Wir schätzen plötzlich was wir hatten und dürfen kreativ sein in den Möglichkeiten, die uns geblieben sind. So habe ich für mich persönlich begonnen nahezu kein TV mehr zu schauen. Ich genieße morgens und abends Zeit für mich in Mediation, Lesen und gesünderem Kochen und achte sehr stark darauf, wie Atmung mein Leben beeinflusst. Mit meinen Freundinnen habe ich das Kaltbaden kombiniert mit oxygenem Atmen entdeckt. Dieses ist für mich aktuell die höchste Möglichkeit für „Lebendigkeit, Zufriedenheit, Freude und Ekstase“. Wenn wir könnten, würden wir täglich ins eiskalte Wasser gehen. Zweimal in der Woche schaffen wir ohne Überwindung immer.

 

Was würden Sie Mitmenschen, die sich in ihrer Situation befinden, empfehlen?

RUHE bewahren, Emotionen hinterfragen, mehrere Meinungen anhören, einen Weg zu einer Klarheit für die eigene Verantwortung skizzieren und dann die entsprechenden „Entscheidungen“ fällen. Nicht der Masse hinterherlaufen, Risiken und Wirkungen persönlich abwägen und Führung übernehmen für den eigenen „gesunden Mittelweg“.