CORONAPERSPEKTIVEN – Die Rolle als Mama in der Babyzeit

„Wow, hatten wir ein „Glück“!“ (Mutter von einer Tochter - 9 Monate)

 

Beschreiben Sie Ihre aktuelle Situation. 

Ich bin gerade in Elternzeit, mein Baby ist 9 Monate alt und mein Freund befindet sich im Homeoffice. Unsere Tochter kam kurz vor dem Lockdown auf die Welt. Der erste Tag im Krankenhaus mit unserer Tochter. Mein Freund holte uns Pizza. Die Schwester sagte lachend „ach super, dass Sie heute nochmal eine Pizza genießen, ab Montag hat ja alles zu.“ Wir hatten davon einfach nichts mitbekommen und waren total perplex „Wie zu?!“ erfragten wir. „Na es kommt ein totaler Lockdown, nichts hat mehr auf...“ Mein Freund blass – jetzt mit Freundin und Kind. „... na außer die Supermärkte!“ Er bekam wieder Farbe im Gesicht. So fing unsere Geschichte zu dritt an...

 

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation bzw. wie erleben Sie diese Situation in ihrer „Rolle als (…)“?

Den ersten Lockdown konnten wir super genießen, da unser Baby paar Tage alt war und wir vollkommen ungestört das Kennenlernen genießen konnten. Den zweiten Soft-Lockdown empfinde ich als anstrengender, da unser Baby jetzt aktiver wird, man nicht in Krabbelgruppen gehen kann oder sich persönlich mit anderen Müttern treffen kann. Zudem ist mein Freund im Homeoffice und hier prallen gerade zwei Welten aufeinander. Aber ich finde es auch total schön, dass mein Freund so viel von unserer Tochter mitbekommt. Vor dem Lockdown wäre das unmöglich gewesen. Wären wir in der „Normalwelt“ hätte mein Freund seine Tochter eigentlich nur am Wochenende gesehen.  Im Nachhinein denke ich: „Wow, hatten wir ein „Glück“!“

 

Welche Probleme gibt es? Was ist die größte Herausforderung? Was kränkt sie am meisten zurzeit?

Manchmal ist es ein Problem Homeoffice und BabySpielzeit zu vereinbaren. Für meinen Freund ebenso wie für mich. Mir fehlen Krabbelgruppe, Mütter-Treffs,… doch sehr. Ich vermisse den Austausch mit anderen Müttern, das „etwas auf dem Programm steht“, sowie auch das Kennenlernen unter den Babys.

 

Gibt es Lösungen für diese Probleme? Von Extern oder eher aus eigner Kraft? Was sind Lösungen? Haben Sie Tipps?

Ja es gibt Onlinetreffen, was natürlich nicht die Präsenz ersetzt, aber immerhin eine Möglichkeit ist sich auszutauschen. Auch in Facebook-Gruppen kann man sich mit Müttern austauschen oder sich zu einem kleinen Spaziergang auf Abstand verabreden.

Tipps zur Vereinbarkeit von Homeoffice und BabySpielzeit: Seid nicht so streng mit euch. Steht ein wichtiges Meeting an?! Dann weichen wir eben in die Küche für die Zeit oder gehen an die frische Luft. Meistens klären wir diese Zeiten direkt morgens beim Frühstück. Und ob man es glaubt oder nicht, man wird kreativer.

 

Was läuft aus Ihrer Sicht gut?

Am Anfang des ersten Lockdowns dachte ich: Auweia, das wird ja was. Schnell stellte sich heraus: HALLELUJA, ich brauch meinen Freund in der Anfangszeit mit unserem Baby mehr als zuvor erwartet. Gemeinsam haben wir es wirklich gerockt. Ich bin dankbar für die Zeit, die wir nun zu dritt haben und hatten, dank des Lockdowns. Man sollte sich das für die Zukunft wirklich merken. Es ist doch auch total wichtig, dass der Papa was von seinem Kind mitbekommt.

 

Was würden Sie Mitmenschen, die sich in ihrer Situation befinden, empfehlen?

Ersteinmal seine Situation von allen Seiten betrachten:

- Was läuft gut? Für was kann ich dankbar sein? (Oh ja, da kommt ja doch einiges auf, nä?!)

- Was läuft nicht so gut? Wie kann ich Veränderung reinbringen?

Und ganz wichtig als Mama: Sich auch mal Zeit für sich nehmen. Eine Badewanne, ein Podcast, ein kleiner Spaziergang, ein Tee oder ein Kaffee und kurz Innehalten.