CORONAPERSPEKTIVEN – Die Rolle als Single

„Mist und nun? Ich wollte doch das Leben als Single in voller Üppigkeit genießen.“

 

Beschreiben Sie Ihre aktuelle Situation.

Ich bin seit etwa einem Jahr Single und durfte inmitten des Lockdowns mein neues Heim beziehen. Die Welt stand Kopf. Mein Leben auch. Das hat es irgendwie erleichtert, sich den Gegebenheiten geschmeidig anzupassen. Ein weiser Mensch gab mir mal folgenden Rat: „In einer verrückten Umgebung sollte man sich auch stets verrückt verhalten“. Das tat ich. Kein kompliziertes Packen, kein großes Nachdenken. Einfach machen. Den Umzug als Workout und die endlosen Stufen bis zur Wohnung als Stepper betrachten. Die Welt kam zur Ruhe - mein Leben auch. Nun ist ein wenig Zeit ins Land gegangen. Ein zweiter Lockdown wurde verkündet und ich sah es auch diesmal als Chance – denn im Rückzug liegt auch etwas Heilsames. Zeit für Reflektion. Zeit für Fokussierung. Zeit für Yoga. Zeit für gutes Essen. Zeit für Bücher, die so lange im Regal auf einen gewartet haben. Zeit für Briefe, die endlich auf eine Briefmarke warten.

 

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation bzw. wie erleben Sie diese Situation in ihrer „ Rolle als(…)“?

Natürlich nehme ich die Einschränkungen wahr. Natürlich wäre es mir auch lieber, wenn alles wie früher wäre. Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Diese Spirale bringt einfach nichts. Also Stopp. Und die Möglichkeiten suchen, es DOCH irgendwie schön, pragmatisch und machbar hinzubekommen.

 

Welche Probleme gibt es? Was ist die größte Herausforderung?

Am meisten schränkt mich die 20 Uhr Beschränkung ein. Ich gehe unheimlich gerne in den späten Abendstunden spazieren oder einkaufen. Durch diese Regelung fühle ich mich zeitlich etwas unter Druck gesetzt. Aber nur etwas. Verschiedenste Lieferservices ermöglichen das Einkaufen 24/7 und liefern die Lebensmittel sogar nach Hause. Kein schweres Schleppen, kein Schlangestehen. Den Abendwalk muss ich etwas besser planen – aber auch das ist machbar. Natürlich – und das ist ein wichtiger Punkt – gerade als Single – das Treffen in geselliger Runde mit Freunden. Die ausgelassenen Weihnachtsfeiern fehlen dieses Jahr. Der Glühwein am Weihnachtsstand. Die große Silvester-Party. Die vielen Motto-Partys. Das Styling für diese Events und das unbeschwerte Tanzen im Licht der funkelnden Disco-Kugel. Das fehlt. Dazu gehören auch die Reisen in ferne Länder und nahe Städte. Das schließt Besuche bei Freunden und Familienangehörigen ein, die im Ausland leben. Es schmerzt, dass im Fall der Fälle, wenn die Gesundheit auf der Kippe steht, kein spontanes Wiedersehen möglich ist. Dass die Hürden auch in absehbarer Zeit groß bleiben werden und eine Planungssicherheit nicht gegeben sein wird.

 

Gibt es Lösungen für diese Probleme? Von Extern oder eher aus eigner Kraft? Was sind Lösungen? Haben Sie Tipps?

Ohne Veränderung - keine Veränderung. Wenn man mit dem IST unzufrieden ist, dann sollte man auch im IST etwas ändern und nicht warten bis auf sonderbare Art und Weise, etwa ein Genie mit seinem Raumschiff angeflogen kommt und mich aus der Situation befreit. Heißt, selbst in die Taten kommen. Auch in den kleinen Dingen Freude erkennen. Offen dem Neuen begegnen – auch wenn es anfänglich komisch erscheinen mag - auf das Gute vertrauen und fokussieren. Sich online austauschen und den Frust von der Seele schreiben. Sich erlauben verrückt zu sein und auch mal Ehrenrunden im Traurigsein drehen (aber nur für eine gute wohldosierte Zeit).

 

Was läuft aus Ihrer Sicht gut?

Wenn man „geschmeidig“ mitschwingt kann man trotz gewisser Herausforderungen Freunde sehen (digital oder gut portioniert), auf Dates gehen (spazieren, digitales Abendessen), Outdoorsport betreiben, viel Selbstfürsorge lernen, unbegrenzt Lesen und schöne Filme schauen, Online Fortbilden, das Eigenheim aufhübschen, mit Hilfe von Marie Kondo ausmisten, endlich mal seine Fotos sortieren und dabei in Erinnerungen schwelgen, neue Gerichte kochen und testen dann doch wieder bei Pasta mit Pesto bleiben, ausschlafen, japanisch lernen, alte Brieffreundschaften auffrischen, das alte Holzregal abziehen und streichen, ein Buch schreiben, stricken lernen, sich an die abstrakte Kunst ran trauen, beschwingt wieder in die Tasten hauen und Beethovens für Elise spielen, Eisbaden, den Wald erkunden, die Fenster putzen und endlich mal alles entkalken was nur entkalkt werden kann. Mir würde noch vieles mehr einfallen, aber ich will hier niemanden die Kreativität rauben.

 

Was würden Sie Mitmenschen, die sich in ihrer Situation befinden, empfehlen?

FOKUSSIEREN FOKUSSIEREN FOKUSSIEREN - und zwar auf das GUTE! Und dann mit allen Sinnen inhalieren. Wie wäre es, wenn ich wieder reisen könnte? Wo würde meine erste Tour hingehen? Wen würde ich mitnehmen? Was würde ich einpacken? Welche Gerichte würde ich dort Essen wollen? Welches Parfum würde ich auftragen? Auch mal die Sonnencreme statt die Bodylotion verwenden. Die leckere Pasta aus Sizilien nachkochen. Die Sommerplaylist anhören und dabei ganz wild durch die Wohnung tanzen und nach wilden Rosen duften. Alles ist erlaubt.