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Die Angst als evolutionärer Schutzengel-

eine systemische Perspektive auf eine (überlebens-) wichtige Emotion

Haben Sie Angst?  Natürlich haben Sie Angst, Menschen ohne Angst findet man in dieser Stadt nur an zwei Orten, bemerkte Bernd Schumacher, einer der führenden systemischen Angsttherapeuten, einmal in einem seiner Seminare, mit hochgezogener Augenbraue:  Menschen ohne Angst finden Sie in der geschlossenen Psychiatrie oder auf dem Friedhof. Was er damit sagt: Ein gewisses Maß an Angst  sichert  unser aller Überleben- als Schutzfunktion, die  uns erinnert, dass das Leben endlich ist. Hierbei liegt jedoch die Betonung auf „ein gewisses Maß“. Was aber wenn die Angst zu groß ist, übermächtig sozusagen, unseren Alltag und unser Leben einschränkt? Dann wird aus dem Schutz eine Bedrohung, die uns massiv einengen kann. Die verhindert, dass es uns gut geht, dass wir genussvoll leben, lieben,  lachen, genießen,… Ich möchte Sie hier einladen, diese Emotion aus einer anderen Perspektive zu betrachten, mit einem gewissen Augenzwinkern wohlgemerkt. 

Woher kommt die Angst? - unsere 4 Urängste

Evolutionsbiologisch betrachtet gibt es vier große Arten der Angst, sozusagen „Urängste“ , die- weil sinnvoll- über unsere Gene übertragen, das Überleben unserer Spezies gesichert hat. Die Höhenangst- im Fachbegriff die Agrophobie geht möglicherweise auf unsere Vorfahren- die wie Primaten – unsere Verwandten die Affen – auf Bäumen einst lebten. Nun birgt, wie man sich leicht vorstellen kann, das Schlafen auf Ästen sowohl Schutz vor allem, was sich auf dem Boden an Feinden aufhält, aber eben auch das nicht geringe Risiko, beim Drehen im Schlaf von ebendiesen schützenden Ästen herunterzufallen, und sich dabei zu verletzen. Die zweite vererbte Angst geht ebenfalls auf diese Urahnen zurück. Wenn man den schützenden Baum verlassen wollte, herunterkletterte, sich unten aufrichtete, um die Kokosnüsse im Arm auf den nächsten Baum diese zu einem anderen Affen zu bringen, musste man sich aufrichten. Dadurch ist man gut sichtbar für Fressfeinde ,wie beispielsweise den Säbelzahntiger-ebenfalls ein großes angstbesetztes Risiko. Denkbar, dass sich dies in der Agoraphobie- der Angst vor freien Plätze manifestiert hat. 

Möglicherweise lässt sich die dritte große Angst auf noch ältere Vorfahren zurückführen, denn als vor Urzeiten große Vulkanausbrüche alles Leben auf der Erde- inklusive das der Dinosaurierart vermutlich, vernichtete, überlebten nur die, die tief unter der Erde wohnten. Und das waren die Beuteltierchen, die ebenfalls zu unseren Vorfahren zählen. Diese Angst vor dem „Verschüttet werden“- medizinisch bezeichnet als Claustrophobie- kann ebenfalls als tief in unseren Genen verankert betrachtet werden.

Und zuletzt, was vermutlich allen Lebewesen gemein ist: Die Angst vor Krankheit und Tod, die allen Arten das Überleben sichert.

Die Urängste im Alltag

Vermutlich können so lapidar betrachtet, alle Arten der Angst auf diese vier genetisch ererbten und evolutions-biologisch sinnvolle Ausstattung zurückgeführt werden:  Vor anderen Menschen Vorträge halten, und ich mach mir fast in die Hose? Das bedeutet:  (Potentielle) Fressfeinde können mich sehen…

Die Entlassung droht? Ich muss runter vom schützenden Baum…. 

Veränderungen in beruflicher und oder privater Hinsicht machen Ihnen Angst? Vielleicht  ist das mit der Angst vor dem Verschüttet werden gekoppelt, die eine Veränderung des Lebensraumes nicht mehr zulässt.

Sie sehen, der Interpretationsspielraum ist groß….

Zur weiteren Betrachtung der Angst und ihrer überlebensnotwendigen Schutzfunktion- eine ganz kurze Zusammenfassung eines unserer neurologischen Regelkreises. Im Angesicht einer (lebens)bedrohlichen Gefahr, geht unser Körper in einen „Kampfmodus“. Diese im Fachjargon  bezeichnete „fight or flight“  Reaktion- Angriff oder Flucht-, ist hauptsächlich aus der Stressforschung bekannt. Vereinfacht ausgedrückt ist unser Körper so programmiert, dass er unser unmittelbares Überleben kurzfristig sichert. Energie wird der  Muskulatur und der Haut zur Verfügung gestellt, in Form von verbesserter Durchblutung , das Herz pumpt dafür verstärkt, der Pulsschlag erhöht sich, damit wir rennen können oder kämpfen. Zum unmittelbaren Überleben nicht benötigte Funktionen, wie die Verdauung oder der Geschlechtstrieb werden, weil für den Moment nicht benötigt, radikal eingeschränkt. Die inneren Organe, um die kann man sich später wieder kümmern, wenn man erfolgreich überlebt hat.  Kurzfristig bereitgestellte Energie bewahrte uns also vor dem Fressfeind und der drohenden Gefahr von Verletzungen oder des Todes, was ja einer unserer Urängsten entspricht.

Angstfrei leben?

„Haben sie denn gar keine Angst?“ wurde der Extrembergsteiger Reinhold Messner in einem Interview gefragt, woraufhin er lächelnd erwiderte: „Wenn ich keine Angst hätte, wäre ich schon lange tot“. Ich möchte Sie einladen Ihre Ängste mit dieser Perspektive neu zu betrachten. Nämlich als das was diese sein können: Schutzfunktionen, die unser Überleben sichern. Damals wie heute.

Sie mussten lachen? Finden diese Betrachtungen logisch, können aber keinen Nutzen für sich daraus ziehen? Dann kommen Sie doch in ein therapeutisch ausgerichtetes Coaching zu uns, und wir schauen gemeinsam auf Ihre Ängste. Werden Sie danach „ANGSTFREI“ leben können? Die Antwort darauf ist: Die Angst wird mit Sicherheit wieder kommen, das ist nicht die Frage und auch nicht das Problem. Denn die richtige Frage ist: Wie wollen Sie in Zukunft damit umgehen, wenn die Angst wieder kommt? Wie können Sie diese biologisch so wichtige Emotion in ihr Leben integrieren, wie damit in Zukunft umgehen? 

Die meisten Menschen gehen eine Kampfbeziehung zu ihren unerwünschten Emotionen ein. Und genau das ist, aus systemischer Sicht der große Fehler. „Wenn du etwas stärken willst, bekämpfe es!“  sagt auch schon Milton H. Erikson, einer der großen systemischen Therapeuten des letzten Jahrhunderts. Aus dieser Sicht ist es wichtig, diese Kampfbeziehung, nämlich die zu unserer Angst in den Griff zu bekommen und die Angst stattdessen in unser Leben zu integrieren.

Wenn Sie also das nächste Mal vor einer Gruppe wichtiger Menschen stehen, um ihre Zahlen zu präsentieren, und Sie spüren die Fluchtreaktion ihres Körpers: Trockener Mund (braucht keinen Speichel), Rötungen im Gesicht und Hals (verstärkte Durchblutung), Harn- und Stuhldrang (weg mit allem, was man nicht brauchen kann), dann nehmen Sie sich Zeit- ein paar Sekunden sollten genügen und sagen Sie zu Ihrem Körper: „Ich danke dir, lieber Körper, dass du mir zeigst, wie du dich wieder auf Höchstleistungen programmieren kannst. Du gibst mir alles, damit ich überleben kann, und ich danke dir dafür. Aber die Aufregungen sparen wir uns heute- für den Moment, bis die Säbelzahntiger oder so wieder kommen!“

Die Zeilen haben Sie zum Nachdenken gebracht? Es freut mich, wenn diese hilfreich waren. Sie brauchen mehr? Kommen Sie zu uns ins Coaching und wir betrachten gemeinsam, was verhindert, dass Sie Ihre Energie sinnvoll nutzen und das Leben genießen können. Denn ganz sicher ist: Wir alle werden sterben, und die sinnvolle Frage, die Sie sich stellen sollten ist: Was möchte ich bis dahin tun? Möchten Sie am Ende Ihres  Lebens sagen können: Ich hatte zu viel oder zu wenig Angst? Und wenn ich noch etwas ändern könnte, würde ich mein Leben mit mehr oder mit weniger Angst verbringen wollen?

Wenn Sie Ihre Ängste betrachten wollen, und eine Möglichkeit finden möchten, die Angst als guten Gefährten und hilfreichen Schutzengel in Ihr Leben zu integrieren, anstatt Energie darauf zu verschwenden, diese zu bekämpfen, dann versuchen Sie es doch mit einem Coaching bei uns.

Man muss nicht alles alleine schaffen….

Ihre Coachingmeisterei

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