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10 Tipps fürs Homeoffice in Krisenzeiten

Wenn der Büro-Clan wegbricht

 

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen Homeoffice hart erkämpft werden musste, um am Schluss doch gesagt zu bekommen: „Es tut uns leid, der Kunde, die Technik, die Sicherheit…..gibt’s nicht her. Und ach: Wir möchten auch nicht so gerne Präzedenzfälle schaffen. Haben Sie bitte Verständnis.“

Im Büro und in der Abteilung sieht man seine Mitarbeiterschaft halt gerne. Es gibt Sicherheit, sie bei sich zu haben, zu sehen, dass sie etwas schaffen, die direkte Ansprache nutzen zu können. Unter dem Aspekt stetig medialer Fortschritte ist so ein Verhalten eigentlich nur archaisch zu verstehen: Der Job-Clan muss beieinander bleiben!

Wenige, heftige Krisentage haben gereicht, alles auf den Kopf zu stellen. Auf einmal muss ich zuhause bleiben, auf einmal wird mir Technik zur Verfügung gestellt! Not macht viel möglich. Und das schnell, für manche fast zu schnell.

Der Job-Clan, also Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Vorgesetzte sind nur noch über Bildschirm oder über Telefon präsent. Das informelle oder persönliche Schwätzchen im Sozialraum oder am Kaffeeautomaten fällt weg. Zuhause fehlt der professionelle „Stallgeruch“, der Rhythmus zwischen  Kund*innnengesprächen, Fachaustausch bei Kolleg*innen, die Kaffeepause, Dokumentationen im Geräuschpegel des Büros. Und noch anspruchsvoller: Zuhause war bislang möglicherweise noch nie mein Ort, wo ich für Geld gearbeitet habe. Daheim ist eine komplett andere Welt, mit anderer Sprache, anderer Ordnung, anderen Rhythmen und anderer Planung.

Auch wenn wir uns treu einreden, multitasking und synchron arbeiten zu können (weil wir schließlich modern sind), merken wir recht schnell, dass diese unmittelbare Vermischung von Orten und Rollen, dieser Verlust von Gewohntem und Rhythmus sehr erschöpfend sein kann. Wir fragen uns ungläubig, woher das rühren mag; dabei fällt doch der Arbeitsweg weg, der Stress auf Straße oder Schiene.

Jeder Alltag besteht aus ganz vielen kleinen und größeren Übergängen, durch die wir innerlich jeweils zur Einen oder zum Anderen werden. Zuhause bin ich Vater oder Mutter, Tochter oder Sohn, Nachbar*in, Vereinssportler*in… In der Erwerbsarbeit bin ich Analystin, Stratege, Dokumentarin, Troubleshooter….ich lebe mehr oder weniger in meiner Arbeitsplatzbeschreibung und bin in Teilen eine ganz andere*r.

Kinder melden einen so etwas unverblümt zurück. „Mama, warum sprichst du am Telefon so komisch? Papa, warum tigerst du so auf und ab im Zimmer, wenn dein Chef anruft?“ Gerade für Homeoffice-Ungeübte kann diese Mischung von privat und business extrem anstrengend werden.

Hier ein paar Anregungen, wie Sie es sich leichter machen können. Dabei ist niemand davon befreit, ihr oder sein ganz individuelles Rezept herauszufinden.

 1. Machen Sie sich klar, dass im Homeoffice zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinandertreffen.

 

 2. Führen Sie sich vor Augen, dass Sie im heimischen Umfeld mit beruflichen Aufgaben in permanentem inneren Rollentausch sind: Mal müssen Sie die sein, mal   der andere….
 
 3. Ein neuer, aktiver Aufbau von Struktur und Rhythmus ist gefragt. Entweder ich organisiere mein System im häuslichen Umfeld neu oder es organisiert mich. Letzteres ist meistens sehr ungünstig.
 
4. Wohl dem, der einen eigenen Büroraum in der Wohnung besitzt! Hier fällt es leichter, in die Businessrolle zu schlüpfen und diese beim Verlassen des Raums wieder abzulegen.
 
 5. Eine geplante Tagesstruktur, die mit wenigen Kulanzen, unhinterfragt von eigenen inneren Stimmen durchgesetzt wird, spart unglaublich Energie und macht am Ende des Tages zufrieden.
 
6. Wer keinen eigenen Raum/Büro zu Hause hat, sollte sich eine geeignete Ecke als „Büro“ aussuchen. Diese Ecke oder diesen Claim gilt es sichtbar als Büro zu gestalten. Der Zugang zu diesem Claim ist nur Ihnen gestattet! (nicht so einfach bei kleiner Wohnung und kleineren Kindern!)
 
7. Suchen Sie sich Erwerbszeiten aus - wenn Sie frei in der Wahl sind -, wenn weniger Betrieb ist in den eigenen vier Wänden.
 
8.  Definieren Sie sich feste „Bürozeiten“, die nicht zu lange sind, und unterbrechen Sie bewusst durch Pausen. Verlassen Sie dann Ihre Büroecke.
 
9. Vergessen Sie mitten im Wechsel von Haushalt, Kinder und Erwerbsarbeit die Eigenzeit nicht, auch wenn es nur mal eine halbe Stunde ist.
 
10. Vergessen Sie auch die Bewegung an der frischen Luft nicht - rhythmisches Bewegen für ca. 20 Minuten tut dem Körper und der Seele nachweislich gut.

 

Das konsequente Nacheinander von privat und geschäftlich erleichtert Ihnen die neue Situation daheim. Das schlechte Gewissen zu wenig für das eine und andere gemacht zu haben, reduziert sich.

In unterschiedlichen Kulturen gibt es immer ähnliche Geschichten, die im Kern die gleiche Aussage haben und wert sind darüber nachzudenken. Wir müssen immer wieder anhalten und warten, bis uns unsere Seele wieder eingeholt haben.

Ein europäischer Biologe hatte für eine Himalaja-Expedition

eine Gruppe indischer Träger angeheuert. Der Forscher war in großer Eile,

denn er wollte schnell an sein Ziel kommen.

Nachdem die Gruppe den ersten großen Pass überschritten hatte,

erlaubte er ihnen eine kurze Rast.

 

Nach einigen Minuten rief er aber wieder zum Aufbruch.

Die indischen Träger blieben aber einfach auf dem Boden sitzen,

als hätten sie ihn gar nicht gehört.

Sie schwiegen und ihr Blick war zu Boden gerichtet.

Als der Forscher die Inder schärfer aufforderte, weiterzugehen,

schauten ihn einige von ihnen verwundert an.

Schließlich sagte einer: "Wir können nicht weitergehen.

Wir müssen warten, bis unsere Seelen nachgekommen sind."

 

Indische Geschichte, gefunden in: Gelassenwerden. - Herder, 1996,

 

Viel Erfolg im Homeoffice

Ihre Coachingmeisterei

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