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Der Berufseinstieg und seine Hindernisse

- erfolgreich bewerben (trotz Corona)

Erfahrungsbericht Einstieg in den Beruf in Zeiten von Corona

Mein gesamtes BWL Studium begleitete mich diese eine Vorstellung: Ich trage ein frisch gebügeltes, strahlend weißes Hemd und sitze an meinem eigenen Schreibtisch in einem vollverglasten und modernen Büro. Dieser Gedanke beflügelte mich und war gleichzeitig die Motivation, die ich immer wieder abrufen konnte, wenn es in den Prüfungsphasen mal anstrengend wurde oder mir Zweifel kamen. Außerdem war mir ein guter Job mit meiner Studienwahl doch gesichert, das sagte ich mir zumindest immer wieder selbst und schob so Zweifel zur Seite. 

Jetzt bin ich am Ende meines Studiums angelangt, die Bachelorarbeit ist gedruckt und abgegeben und damit leider auch mein beruhigendes Mantra nicht mehr aktuell, denn jetzt wird es nämlich ernst. Nach kurzem Aufatmen und Feiern ging es ans Bewerben, also wieder zurück an den studentischen Schreibtisch. Nicht lange, da tauchten schon die ersten Hürden auf: „Reicht die Bewerbung, die ich für meine Ferienjobs benutzt habe? Ein kurzer Lebenslauf mit Anschreiben, die Personaler*innen wollen doch eh keine Romane lesen, oder? Na, zumindest sehe ich auf dem Foto noch etwas frischer aus, das passt schon.“ Weiter ging es mit der Suche nach passenden Stellenanzeigen, das funktionierte schon besser. Ich verließ mich dabei nicht nur auf die altbewährte Google-Suche, sondern setzte auch mein Profil bei LinkedIn ein, das mir haufenweise Vorschläge passend zu meiner Umgebung und Erfahrung ausspuckte. Euphorisiert von der Aussicht, meinem Traumjob und dem schicken Büro endlich näher zu kommen, schickte ich die ersten Bewerbungen ab. Schnell wurde ich jedoch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt die Absagen in meinem Postfach häuften sich und der Frust wuchs. Die Absagen glichen sich wie ein Ei dem anderen: „Zu wenig Berufserfahrung“ , „Keine Fachkenntnisse“, Nicht passend für die Stelle“. Schließlich beschloss ich, erstmal wieder einen Schritt zurück zu gehen und mich erneut meiner Bewerbung zu widmen, doch dieses Mal mit der Hilfe von Profis. Meine Bewerbungsunterlagen bekamen einen neuen Anstrich und ich wagte einen zweiten Anlauf und schickte eine neue Runde Bewerbungen hinaus in den Arbeitsmarkt. 

Kurze Zeit später bekam ich tatsächlich die erste Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, das sollte aber online stattfinden. Alles, was ich bisher über den richtigen Auftritt für solche Gelegenheiten gelernt hatte, schien auf einmal nutzlos zu sein. Mit einem guten Händedruck konnte ich schonmal nicht punkten und auch das richtige Outfit ist nur noch halb so wichtig, schließlich kann man auch nur die Hälfte meines Körpers sehen. Um den Wohlfühlfaktor hochzuhalten, behielt ich für das Gespräch die Jogginghose an und schlüpfte obenrum in das weiße Hemd aus meiner Traumjobvorstellung. Schlussendlich habe ich mich während des Gesprächs aber überhaupt nicht wohlgefühlt, eher fehl am Platz - und das, obwohl ich in meinen eigenen vier Wänden saß. Die weiße Raufasertapete bildete einen unangenehmen Kontrast zu meinem tomatenroten Kopf, der sich nur verstärkte, sobald er mir auffiel - schließlich konnte ich mich die ganze Zeit über selbst sehen. Nur leider - oder eher zu meinem Glück - konnte mein Gegenüber das nicht wirklich, da die Webcam nicht richtig eingestellt war. Die Schweißperlen liefen mir den Rücken hinunter und ich schwor mir innerlich, die Webcam nächstes Mal vorher auszutesten. Nach dieser Erfahrung war die darauffolgende Absage nicht weiter überraschend. Trotz allem gab ich nicht auf und wagte den nächsten Versuch. Ganz nach dem Motto „alles auf neu“, wählte ich dieses Mal eine schickere Hose - nur für das professionelle Gefühl. Auch die Webcam wurde vorher von mir richtig eingestellt und positioniert und so lief dieses Gespräch schon viel besser und brachte mich tatsächlich in Phase drei: Die Gehaltsverhandlung. Vor meinem inneren Auge sah ich meinen Professor im Vorlesungssaal stehen und hörte ihn sagen, dass 40.000 Euro Einstiegsgehalt das Mindeste für unseren Abschluss sei. Deshalb orientierte ich mich auch für meine Verhandlung an dieser Marke. Aber auch hier lief es leider nicht so geschmeidig wie in meiner Vorstellung. Zusätzlich sorgte die coronabedingte Wirtschaftslage für eine Extraportion Enttäuschung: Man bot mir zwischen 33.000und 36.000 Euro an, mehr stand nicht zur Verhandlung. Immerhin stellte man mir gute Aufstiegschancen in Aussicht. Mit einem mulmigen Gefühl und nicht wirklich zufrieden willigte ich schließlich ein und nahm den Job an. Was blieb mir schon anderes übrig? An meiner Gefühlslage änderte auch mein Umfeld nichts, überall hörte ich nur: „In diesen Zeiten kannst du froh sein, überhaupt irgendwas zu finden“. 

Es hat sich gezeigt, dass Motivation eine gute Sache ist, aber auch das Durchhaltevermögen zählt, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen, besonders in Zeiten von Corona. Auch wenn ich noch nicht ganz zufrieden bin und mein Traum aus den Studienzeiten sich noch nicht ganz verwirklicht hat, will ich meinem Traum treu bleiben. Ich bin jetzt entschlossen meinen ersten Job gut zu meistern und zu sehen was kommt. Ich weiß, dass ich mich in ein oder zwei Jahren noch zielgerichteter und erfolgreicher bewerben kann. 

Wir haben anschließend an diesen Erfahrungsbericht ein kleines Interview mit der Geschäftsführung der Coachingmeisterei gemacht  und uns gefragt: 

Muss man beharrlicher sein?

Das Gute an dem Absolventen/ der Absolventin war seine Selbstreflexion! Er/ sie hat nicht mehr vom dem gemacht, was nicht funktioniert hat und ist über die Bücher. Ein attraktiv aufgestellter Lebenslauf ist ein Türöffner - hier kann man sehr viel richtig und ganz viel falsch machen. Auch bei der Eigenpräsentation vor Ort oder per Video ist der gute, authentische Auftritt kein Selbstläufer. Das innere Mindmap und das Mindset müssen stehen und sind nicht erst im Gespräch aufbaubar, weil es unsicher rüber kommt. In der Erfahrungsgeschichte des Absolventen/ der Absolventin ist ein guter Prozess erkennbar, der zum Erfolg geführt hat. 

 

Hätte man mehr rausholen können?

Das ist hypothetisch, weil ich die Situation im Detail nicht kenne. Zu früh in Gehaltsverhandlungen zu kapitulieren ist natürlich nicht gut. Als Neueinsteiger*in kann ich aber auch nicht gleich die Sterne vom Himmel holen. Hier ist es wichtig, dass ich auch ein niedrigeres Gehalt in die Waagschale lege zusammen mit weiteren Aspekten: Wie lange ist mein Fahrtweg? Bietet mir die Firma Karriere- und Entwicklungschancen? Entsprechen die Tätigkeiten meinen Vorstellungen und bieten sie Gestaltungsspielräume? Ist die Firma ein Sprungbrett für weitere Jobs? Wie sind die Arbeitszeitregelungen etc. Wenn hier meine Antworten „gewichtig“ ausfallen, kann ich in jedem Fall einschlagen. Natürlich spielt die aktuelle Situation der Coronakrise ebenfalls eine Rolle, sie darf aber nicht alles legitimieren. 

 

Wie kann man ein Onlinegespräch vorbereiten?

Die Technik muss auf jeden Fall im Vorfeld auf Tauglichkeit und Funktionalität geprüft werden. Am besten macht man einen Probelauf mit einem/ einer Sparringspartner*in. Da bekomme ich gleich Feedback, wie ich rüber komme. Alles, was meine Webcam einfängt, muss ordentlich sein: Vom Bewerber*in bis zum Hintergrund. Immer wieder die Augen auf die Kamera richten und nicht irgendwo in die Landschaft fokussieren, ist genauso wichtig wie langsames, klares Sprechen mit lebendiger Mimik. Trotz begrenztem Kameraausschnitt würde ich immer wieder Gestik zeigen. 

 

Darf man trotz der Coronakrise einen Gehaltswunsch äußern ?

Gehaltsverhandlungen sollten keine Zahlenspiele werden. Die Zahl sollte immer in Begründungen eingebettet sein. Gehälter machen sich fest an meiner Qualifikation, meiner Berufserfahrung, der Aufgabenverantwortung des Jobs und der Branche, in der ich mich bewerbe. Also beginnt man etwa auf die Frage nach den Gehaltsvorstellungen mit „meine Gehaltsvorstellungen liegen bei 40.000 Euro. Das mache ich fest an meinem Studienabschluss, meinen ersten praktischen Erfahrungen in den Bereichen a), b) und c)… Während einer Gehaltsverhandlung ist es auch wichtig Blickkontakt aufzubauen und Gesprächspausen ruhig und gelassen auszuhalten. 

 

Videogespräche oder Telefoninterviews, was ist besser?

Beide Settings haben ihre Vorteile. Beim Telefoninterview bietet es sich an, sich im Raum zu bewegen, Bewegung hilft beim Denken. Ich kann dann meine Mindmap oder Kernsätze an die Wand kleben und zur richtigen Zeit einbringen. 

Beim Videogespräch kann ich natürlich auch Notizen vor mich hinlegen. Das fühlt sich für viele Bewerber*innen sicherer an. Außerdem fallen oft lange Anfahrtswege weg und es gibt weder Bahnverspätung noch Stau. Nachteilig ist es, dass der/ die Bewerber*in das Setting und die Atmosphäre am neuen Arbeitsplatz nicht vorab wahrnehmen und beurteilen kann. 

 

Was ist für Absolvent*Innen beim Jobeinstieg wichtig?

Ruhe bewahren und sich nicht stressen lassen! Leichter gesagt wie getan, klar. Dennoch ist es wichtig eine richtige Bewerbungsstrategie aufzubauen. Jungen Leuten wird immer wieder eingeredet, dass sie halt nehmen müssten, was es grad so gibt. Ein Job ist kein Gnadengeschenk, sondern im besten Fall ein guter Deal. Eine*r sucht was, eine*r bietet was. Ich darf als junger Mensch überlegen, was und wohin ich möchte. Ich sollte mir Zielbilder Aufbauen: In welcher Branche hätte ich Freude? Mit welchen Tätigkeiten? Und ich gehe damit proaktiv auf die Suche. Bewerber*innen sollten nicht nur auf Stellenangebote warten, sondern auch initiativ werden. Auf keinen Fall sollte ich irgendetwas nehmen, damit ich was habe. Sie schaffen mit einer Zusage die nächste Ausgangssituation für weitere Bewerbungen, das sollte im Hinterkopf behalten werden. Der Arbeitsmarkt denkt eher kleinkariert. Wenn jemand als Mathematiker bei einer Versicherung einsteigt, obwohl das nie sein Ziel war, wird beim Jobwechsel als Arbeitsuchender in erster Linie wieder Versicherungsstellen angeboten bekommen. Die Weichen neu auszurichten, wird ein zähes Geschäft. 

Wenn’s nicht gleich klappt, darf man sich auch Profis an die Seite holen. Kollektive Intelligenz ist ein Rezept, das sehr gut funktioniert. In der Coachingmeisterei schon seit 20 Jahren.

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